SoberGuide für:
Alkohol, Psychische Beeinträchtigung
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„Ich gehe langsam, aber ich gehe nie zurück. (Abraham Lincoln soll das gesagt haben). Rüm Hart, Klaar Kiming (Das ist eine friesische Lebensweisheit, die mir imponiert). “
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Selbstbeschreibung

Mir war längst klar, dass mein Umgang mit Alkohol "nicht mehr normal" war. Aber abhängig?

Den Schuh hätte ich mir im Leben nicht anziehen wollen. Es müssten sich nur ein paar Dinge um mich herum ändern. Im Beruf, im Ehe- und Familienleben, in der Freizeit und anderswo. Dann käme ich bestimmt ganz ohne die Trinkerei aus, dachte ich. Ein paar Mal hatte das ja auch geklappt. Mal für ein paar Wochen, dann für mehrere Monate, einmal sogar für mehr als ein ganzes Jahr, einfach aus dem Stand heraus, fast ohne Entzugserscheinungen. So schlimm konnte es also gar nicht sein. Für mich war das der beste Beweis, dass ich es beim nächsten Mal endgültig hinkriegen würde. Morgen, nächste Woche, am Ende des Monats, im neuen Jahr, ab dem nächsten Geburtstag, wenn der Halleysche Komet das nächste Mal kommt oder endlich Frieden im Heiligen Land herrscht, irgendwann bestimmt. Allein natürlich, ohne fremde Hilfe. Selbst ist der Mann. Ein paar kleine Veränderungen hier und dort, endlich mal wieder ein bisschen Glück. Das wird schon.

Aber es wurde nichts, es wurde alles nur noch schlimmer. Viel schlimmer. Trotz Hilfe durch Hausarzt, Psychotherapeuten, Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen, die ich dann doch irgendwann widerwillig aufsuchte. Das brachte alles nichts, solange ich darauf bedacht war, nur so wenig Unterstützung wie irgend möglich zuzulassen.

Vor allem wollte ich das vermeiden, was mir gleich zu Beginn geraten wurde: „Machen Sie eine stationäre Alkoholtherapie.“ Das passte doch gar nicht zu mir. So hatte ich es irgendwann ganz gut raus, allen das zu erzählen, was sie gerne von mir hören wollten. Geschichten von kleinen Erfolgen, guten Vorsätzen und großen Plänen auf meinem endgültigen Weg zur Alkoholabstinenz.

Nur: Über meine Befindlichkeit zu reden, meine Sorgen, Ängste, Nöte, Verzweiflungen und ganz besonders über die ewigen Rückfälle, dazu war ich nicht in der Lage. Wie konnte das überhaupt gehen, innerhalb einer Woche wieder von 0 auf 100 zu kommen, aus nichtigem Anlass?

Aber wie hätte ich überhaupt darüber sprechen können?

Ich hatte nie gelernt in mich reinzugucken und hielt das auch nicht für notwendig. Mir war allenfalls gegeben, meine Fassade aufrechtzuerhalten, auch als es dahinter längst komplett verwahrlost ausgesehen haben muss. Genau das kostete immer mehr Kraft und Energie. Die gingen in allen anderen Lebensbereichen, Ehe, Familienleben, Beruf oder Freizeit verloren.

Das Schicksal meiner Fassade in Zeitraffer: Erst gab es Risse, dann begann der Putz zu bröckeln und schließlich ging es Schlag auf Schlag, bis alles in sich einbrach. Totalabsturz. Bei der Beratungsstelle saß ich dann genau der Dame gegenüber, die mir zehn Jahre zuvor als Erste geraten hatte: „Machen Sie eine stationäre Alkoholtherapie.“. Jetzt hatte ich keine Wahl mehr, aber immerhin konnte ich mitentscheiden, in welche Klinik ich zur Behandlung gehen wollte. Ich war noch lange nicht davon überzeugt, dass mir dieser Schritt helfen würde. Aber so konnte ich später nicht behaupten, man habe mich in die falsche Therapieeinrichtung gesteckt.

Selbst eine Entscheidung getroffen zu haben, wenn auch nur ein Stück weit und unter schwierigen Bedingungen, war ein befreiendes Gefühl. Ich war nicht von Beginn an überzeugt, dass das am Ende Aussicht auf Erfolg haben würde, zumal mein ganzer Lebensentwurf nun kaputt war. Aber es ging zusehends besser, mit dem Abstand zum Alkohol wurde die Gedankenwelt wieder klarer und auch wenn ich die Zeit meiner Therapie nicht wirklich als schön betrachten kann, habe ich sie insgesamt positiv in Erinnerung. Das gilt sowohl für die professionelle Unterstützung, die ich dort erfahren habe, als auch für den Austausch mit anderen suchtkranken Menschen, ganz unabhängig davon was, wie viel und warum sie diese oder jene Substanzen konsumiert haben. Über die Geschichte und Geschichten anderer habe ich immer wieder Anlass gefunden, tiefer in mich selbst hineinzuschauen, auch dahin, wohin ich bislang nicht zu hinschauen bereit war. Genau das betrachte ich heute als die beste Rückfallprophylxe. Wege in die Sucht und alles was dadurch passiert ist zu betrachten ist richtig und wichtig, aber sie sind meist sehr ähnlich.

Erst fing es harmlos an, dann wurde es schlimmer, schließlich ging es nicht mehr ohne und dann lag vieles im Argen. Deswegen finde ich es heute, mit einigen Jahren Abstand, noch viel interessanter, mich mit Wegen aus der Sucht auseinanderzusetzen und andere dabei zu unterstützen. Als ich das erste Mal von "zufriedener Abstinenz" gehört habe, kam mir das wie ein Widerspruch vor.

Heute weiß ich: Es geht und es lohnt sich. Ich möchte keinen Millimeter der gewonnen Freiheit wieder zurückgeben.

Herausforderungen/Besonderheiten

  • Themen wie Männlichkeit und Sucht
  • Vaterschaft und Sucht
  • Sucht und Psyche

Hobbys/Interessen

  • Musik (Blues, Rock, Ethno, Soul uvam.)
  • Tennis
  • Radfahren
  • Politik

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